Blutstimme Epilog

„Lauf Jack, lauf“ wisperte die Stimme in seinem Kopf und Jack lief. Die Absätze seiner Schuhe verursachten ein Klacken, dass auf dem Pflaster der Gasse hallte und von den Wänden zurückgeworfen wurde. Schweiß ran ihm ins Gesicht, sein sehniger Körper arbeitete unter hoch druck. Er wusste nicht, wo er war, oder was er hier tat, er erlaubte sich eine kurze Verschnaufpause, um wieder zu Atem zu kommen und einen Blick auf sein Umfeld zu werfen. Er ran eine kleine schmale Gasse entlang, es roch nach Urin, Kot und Unrat. Es war zu dunkel im Details zu erkennen, als er an sich herabblickte, erkannte er einen langen schwarzen Mantel, schwarze Schuhe, einen Hut, den er aber nicht näher betrachtete. Erst jetzt viel ihm auf, dass er etwas in der Hand hielt und er schaute es sich genauer an. Es war ein dunkler Arztkoffer aus Leder und auch seine Hände steckten in Handschuhen aus dem gleichen Material. Er betrachtete die Handschuhe näher, die im sanften Mondlicht feucht glitzerten. Er rieb Daumen und Zeigefinger aneinander und roch vorsichtig daran, sofort stieg ihm der metallische Geruch von Blut in die Nase. Die widerwärtigen Gerüche die auf ihn eingestürzt waren und jetzt noch das Blut, waren zu viel für sein Magen, dieser begann zu rebellieren.

Als er gerade dabei war, sich zu erbrechen hörte das schrille Pfeifen von Trillerpfeifen nicht all zu weit von ihm entfernt und Stimmen die riefen „ein Mord, ein Mord in der Buck’s Row, los Leute er kann nicht weit sein“ er schreckte auf. Konnte es möglich sein, dass er damit etwas zu tun hatte? „Du solltest rennen Jack, sonst werden sie dich kriegen“meldete sich die Stimme in seinem Kopf mit einem gehässigen Unterton. Wie auf Kommando begann er zu rennen, er wusste nicht wieso oder wohin, er begann einfach zu rennen. Die Rufe wurden lauter, das Gebell von Hunden gesellte sich hinzu, er füllte sich wie ein gejagtes Tier. Warum, er hatte doch nichts getan oder doch?

Mittlerweile ging sein Atem schwer und der Schweiß ran ihm in Strömen über den Körper. Seine Muskeln schrien ihre Erschöpfung mit einem zunehmenden Brennen heraus. Er konnte nicht sagen, wie lange er gerannt ist, geschweige denn wie weit. Das Einzige was er sicher wusste, ist, dass die Stimmen der Verfolger in weite Ferne gerückt waren. Er verfiel in ein schnelles Gehen und ging in eine weitere schmale Gasse und lehnte sich an die Wand und begann durchzuatmen.
„Gut gemacht Jack, du bist ihnen entkommen, fürs Erste“  wisperte es in seinem Kopf. „WER BIST DU UND WAS IST DAS HIER?“, schrie er, doch als Antwort bekam er nur ein Lachen. Ein grausames, böses Lachen und dann erwachte Jack.

Er schrie noch, als er hochschreckte, sein Herz schlug, als wolle es sich aus seiner Brust sprengen und er atmete in tiefen, schweren Zügen. Sein Bett war zerwühlt, als sei er um sein Leben gelaufen. Schweiß ran immer noch in Strömen von seiner Stirn, Brust und Rücken. Das Bett war klitsch nass geschwitzt, seine Bettdecke lag auf dem Boden. Er tat sich schwer die Orientierung wieder zu finden, dieser Traum war so unglaublich real. Er blickte auf seinen Radiowecker, dieser zeigte den 02.01.2016 um 07:52 Uhr, das richtige Datum und Zeit. Langsam blickte er sich im Zimmer um und es war sein Schlafzimmer, er war Zuhause. „Puh, alles nur ein schrecklicher Traum“, sagte er einfach in den Raum und um sich selbst zu beruhigen.

Sein Herz begann sich zu beruhigen und auch nur noch vereinzelt ran ein Schweißtropfen an seiner Stirn herab. Ein Tropfen fand seinen Weg, ins linke Auge und es begann zu brennen. Er wischte sich mit der Hand über die Stirn, um die letzten Reste Schweiß zu entfernen. Es fühlte sich komisch an und so blickte er auf seine Hand und seine Augen weiteten sich schlagartig. „Nein, das kann nicht sein“ stotterte er vor sich hin. Er hatte Handschuhe an, blutige Handschuhe.

Und wieder war das Lachen da, am Rand seines Verstandes.

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