Blutstimme: 2.Nacht

Jack rettete sich mehr schlecht als recht über den Arbeitstag, die Bilder seines lebhaften Traumes verfolgten ihn selbst jetzt noch. Die unheimliche Stimme in seinem Verstand schwieg seit dem Morgen. Jack fragte sich, ob er sich das alles nur eingebildet hatte, dafür war es aber alles zu real. Während des Tages redete er sich ein, es liege am Stress. Als Abteilungsleiter einer großen Werbeagentur war es nicht selten, dass er mehr als 14 Stunden pro Tag arbeitete. Erst gerade hatten sie ein großes Projekt für einen wichtigen Kunden abgeschossen, eine Werbekampagne für Hundeshampoo. Er hatte viel zu viel in der Zeit gearbeitet und war sich nun sicher, dass es alles am Stress liegen musste. Um einiges beruhigter machte Jack früh Feierabend.

Um den Kopf vollends frei zu bekommen, lief Jack nach Hause und nahm nicht wie gewohnt den Bus. Außerdem kam er auf dem Heimweg an seiner Stammkneipe vorbei. Er mochte das schummrige, verrauchte irish Pub. Sally stand hinter der Theke, sie begann direkt zu strahlen, als sie ihn durch die Türe kommen sah. Sally war Mitte 20, blond, groß gewachsen und hatte wundervolle grüne Augen. Soviel Jack wusste, studierte sie Psychologie und besserte sich die Kasse durch das Bedienen etwas auf. „Hi Jack, Guinness wie immer?“ fragte sie strahlend. Jack lächelte, trotz des Altersunterschiedes von ca. 10 Jahren war da was in der Luft. Jack setzte sich an die Theke und bedankte sich bei Sally für das Guinness, sie hielten Smalltalk und der Abend verflog. Jack genoss die Nähe zu Sally und mit jedem Bier verblassten auch die Erinnerungen an letzte Nacht, bis er spät am Abend endlich zuhause war und müde in sein Bett viel und direkt in einen zu tiefen Schlaf glitt.

Er spürte den warmen Lebenssaft, wie er über seine Hand auf den Boden des Hinterhofs sprudelte, nur das erstickende Röcheln der Frau war zu hören. Ein Gefühl der Macht berauschte ihn, als er spürte, wie das Leben aus ihr glitt. Um den Tod zu beschleunigen setzte er erneut einen Schnitt an der Kehle der Frau nach, der fast den Kopf vom Rumpf trennte. Er legte den noch warmen Körper auf den Boden, es war dunkel und nur das kurze Aufblitzen des Messers im Mondlicht war zu sehen.

Bevor Jack realisierte, was geschah, merkte er wie das Messer wieder und wieder in den Leib stach und schnitt. Dampf stieg aus dem geöffneten Torso in die kalte Nachtluft, als er die immernoch zuckenden Eingeweide aus dem Körper zog. Sie waren warm und er fühlte sich gut dabei, wie ein Maler der gerade sein Lebenswerk erschuf. „Das machst du gut kleiner Jack. Spürst du es, den Rausch der Macht, der durch deine Adern rast?“, flüsterte die Stimme zuckersüß in seinem Verstand. Jack verspürte tatsächlich diesen Rausch und er genoss es, genoss die Arbeit mit diesem neuen Material.

Er weidete die Frau aus, drapierte die Eingeweide um die Frau. Legte sie Ihr um die Schultern, verrückte diese immer wieder, bis sie die perfekte Position hatten. „Ein Bildnis aus Leben und Tod, ist es nicht wundervoll?“, sagte die Stimme in seinem Kopf. Jack lies seinen Blick, über sein Werk gleiten, seine Augen trafen die Augen seiner Skulptur und plötzlich stockte er.

Es waren wundervolle grüne Augen, wie die von Sally. Sein Verstand schrie auf, was tat er hier? Es ist nicht richtig, immer wieder blickte er in diese Augen, diese leeren toten Augen. Er wollte aufschreien, doch kein Ton entwich seiner Kehle. Er versuchte aufzustehen, doch sein Körper gehorchte ihm nicht mehr und nun hörte er deutlich, dass Lachen in seinem Verstand, ein schreckliches, dass Blut in den Adern gefrierendes Lachen.

Egal wie sehr er sich zu wehren versuchte, er musste Mitansehen, wie sein Körper sein grausames Werk verrichtete. Als er den Unterleib der Frau brutal geöffnet hatte, wollte er sich übergeben, doch auch das gestatte ihm sein Körper nicht. Er war ein Passagier in einem grausamen Ausflug. Angst durchlief ihn, es konnte nicht real sein, doch es fühlte sich so an. Er spürte sogar die Bewegungen seines Körpers, roch das Blut und die Eingeweide. Er griff in den Unterleib der Leiche und schloss seine Hand um etwas und riss es mit brutaler Gewalt aus dem Körper. Es wurde dunkel um ihn, er musste das Bewusstsein verlieren. Das Letzte was er wahrnahm, war seine Faust, die etwas umklammerte und Richtung Mond streckte und eine Stimme in seinem Verstand.“Aller Anfang ist schwer, doch wir machen Fortschritte“.

Schreiend erwachte er in seinem Bett, hektisch blickte er auf seine Hände, aber es waren keine Handschuhe zu sehen. Sein Herz raste in seiner Brust und schnell musterte er seinen Körper. Es war jedoch nichts zu sehen, was auf den Traum hinwies. Er schloss die Augen und atmete tief durch, als er die Augen wieder öffnete, um auf die Uhr zu sehen, sah er es. Bei dem Anblick musst sein gesamtes Blut mit einem Schlag aus dem Körper geschossen sein. Dort lag das Blutige etwas, was er zuvor aus dem Unterleib der Frau in seinem Traum gerissen hatte. Das war zu viel für Jack, dass Lachen am Rande seines Verstandes dröhnte wieder in seinem Kopf und dann verlor er das Bewusstsein.

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