Die Kinder der Reiter Teil 1

Carrie Anne war neu an der Jeffersons Highschool, sie war erst vor wenigen Monaten mit ihrer Mutter von New York in eine Kleinstadt in Oregon gezogen. Ihre Mutter war nach den jüngsten Ereignissen auf der Welt verängstigt.

Im Fernsehen und im Radio häuften sich die Meldungen über sonderbare Sichtungen von Kreaturen, es war die Rede von Monstern, manche bezeichneten sie als Dämonen und selbst von Engel sei die Rede gewesen. Carries Mutter war eine streng gläubige Christin, seid sie ihre Drogen und Alkoholsucht mit der Hilfe von Gott überwunden hatte. Sie blätterte jede freie Minute in der Bibel und versuchte die Zeichen zu Erkennen, Carrie verabscheute dieses Thema zutiefst, den sollte es so etwas wie einen Gott geben, musste er wohl tot sein nach all den Dingen die ihr in jungen Jahren widerfahren waren.

Carrie war kein typischer siebzehnjähriger Teenager, ihr Leben war bisher geprägt von Höhen und Tiefen. Die einzigen Erinnerungen an ihren Vater handelten von Gewalt und Misshandlungen körperlicher und seelischer Natur an ihr und ihrer Mutter. Sie war eine Einzelgängerin, verschlossen und eher schweigsam, den immer wenn sie den Mund aufmachte erwartete sie eine Tracht Prügel. Ihre Mutter, schaffte es sich von Carries Vater zu trennen, nachdem sich beide im Alkohol und Drogenrausch so sehr stritten, dass ihr Vater sie fast zu Tode geprügelt hatte. Was sie nicht wahrnahmen, dass die kleine Carrie die ganze Szenerie heimlich beobachtet. Trotz ihrem zarten alter von fünf Jahren war da kein Schreien, kein Schluchzen und nicht mal eine Träne ergoss sich über die Wange. Die kleine beobachtet die Szenerie mit einer morbiden Faszination. Sie wusste es nicht, aber dieses Ereignis, sollte ihr leben prägen.

Nachdem sich ihre Eltern getrennt hatten, zogen sie oft um. Von Nord nach Süd, von Ost nach West. Carrie lernte bald, dass es sich nicht lohnte Freundschaften zu knüpfen, da sie nie wusste, wann ihre Mutter sie wieder an einen anderen Ort schleppte. Zu einem anderen Mann, zu einen anderen Job, oder einfach weil sie es an diesem Ort nicht mehr aushielt.

Ihre besten Freunde wurden ihre Bücher, die Bücher und die Einsamkeit. Wenn sie sich ihren Gedanken hingab und durch sie Straßen der Stadt ging, spürte sie die abwertenden Blicke der anderen. Sie konnte genau sehen wie sie hinter ihrem Rücken begannen zu tuscheln und zu lachen. „Das Mädchen in schwarz, der kleine Emo soll zuhause weinen“, war noch das freundlichste was sie zu hören bekam. Aber wer konnte es ihnen verübeln, sie kleidete sich nun mal in schwarz. Sie hatte einen Faible für Vampirkleider, Mieder und Korsagen. Am liebsten trug sie ein Minikleid, ihre ausgelatschten 14-Loch-Boots und einen push-up um ihre schöne Oberweite zur Geltung zu bringen. Sie hatte eine normale Figur und war sich durchaus bewusst, dass ihr Outfit den Jungs oft das Blut aus dem Kopf in den Unterleib schießen ließ. Jedoch traute sich keiner die komische Tussi anzusprechen, was ihr aber am Arsch vorbei ging.

Heute war ein guter Tag Carries Laune war normal, als sie nach einer Stunde Fußweg an der Schule ankam. Wie immer nahm sie von dem Weg wenig war, sie war in ihren Gedanken versunken. Es waren Gedanken über alles Mögliche, oft jedoch waren es traurige und düstere Gedanken. Nicht selten dachte sie daran sich das Leben zu nehmen und alles hinter sich zu lassen. Sich einfach der kalten Berührung des Todes hin zu geben und allem und jeden den Mittelfinger zu zeigen.

Industrialnois hämmerte in voller Lautstärke aus den Kopfhörern auf ihr Trommelfell, als sie gedankenversunken das Klassenzimmer betrat und sich auf ihren Platz setzte. Zu spät merkte sie den Kaugummi, auf den sie sich soeben setzte, nur das lachen einiger Mitschüler riss sie aus den Gedanken. Immer und immer wieder wurde sie Opfer dieser kleinen Späße, es waren immer die gleichen eine Gruppe Sportler und ihre Mädels. Sie liebten es die „Außenseiter“ zu mobben, heute war sie wieder zum Ziel des Spottes geworden. Es waren immer die gleichen auf die sich die Streiche fokussierten. Da war Ivar, auch er war erst vor kurzem an die Schule gekommen, er war soweit sie wusste aus Russland. Er war ein Hüne von einem Jungen, er war sicher an die zwei Meter und mit Muskeln bepackt. Er hatte kurzes blondes Haar und blaue Augen, er war ein hübscher junger Mann, nur das harte Gesicht für das die Russen bekannt waren, sagte Carrie absolut nicht zu. Was Ivar zu viel an Muskel hatte, büßte er leider an Gehirnschmalz ein. Er war nicht der hellste und wenn man ihn reizte, konnte es schnell passieren, dass er wie ein wilder Bulle ausrastete. Deswegen war der Spott gegen Ivar auch immer sehr subtil, denn Angst hatten alle vor dem „Bullen aus Russland.

Tom war der nächste im Bunde, er war schlank, von normaler Größe aber sehr dünn. Das markanteste an ihm waren wohl die extrem blasse Haut und das lange, ungepflegte Haar, das er stet zu einem fettigen Pferdeschwanz zusammen gebunden hatte. Er war wohl das, was man als typischen Nerd bezeichnen würde und die Brille mit den dicken Gläsern runden wohl das Bild ab. Tom tat Carrie im Grunde leid, den Tom war eines von diesen Kindern, die mehr krank als Gesund waren. Carrie konnte sich nicht erinnern, dass sie Tom jemals nicht schnäuzend, hustend oder von schlimmer Akne gezeichnet gesehen hatte. Das waren nur die Krankheiten die man sah, Carrie wusste das Tom aufgrund seinen schlimmen Asthmas vom Sportunterricht befreit war. Schon der Weg ins Klassenzimmer wurde immer mit schwerem Keuchen von ihm kommentiert. Auch heute schnaufte er schwer und hustete, als er sich seinen weg zu seinem Platz suchte.

Das ärmste Schwein Carries Meinung nach war jedoch Phil. Phil war das fetteste Kind, was Carrie je gesehen hatte. Von einem Hals konnte keine Rede mehr sein, dass er sich überhaupt noch bewegen konnte, war Carrie bis heute ein Rätsel. Phil musste an die 200 Kilo auf die Waage bringen, er hatte kleine Schweineaugen, kurzes braunes Haar und war immer in riesige Jogging Klamotten gekleidet. Vermutlich mussten diese für ihn angefertigt werden, auch sein Pult in der Schule war speziell für sein Gewicht angefertigt worden. Phil bekam mit Abstand am meisten Spott und Hohn von der Clique ab. Phil hätte Carrie leid tun können, jedoch empfand sie kein Mitleid für den fetten Jungen, den immer wen man ihn sah war er am kauen. Er hatte immer zwei Taschen mit in der Schule, eine für seine Bücher und eine mit Essen. Ihrer Meinung nach müsste er nur weniger essen, um ab zu nehmen, aber jeder wie er mag und sich wohl fühlt. Wobei sie es sich nicht vorstellen konnte, dass sich jemand so wirklich gut fühlen kann. Es war ihr fast peinlich, aber er schien wohl etwas für sie übrig zu haben, den im Unterricht warf er ihr immer wieder Blicke zu, die sie mir einem Lächeln erwiderte. Sie hatte keine Gefühle für ihn oder ähnliches, Gott oder wer auch immer bewahre, jedoch machte er einen sympathischen Eindruck. Aber ihre Regel war nun mal keine Freundschaften zu schließen, denn sie wusste nicht wie lange sie hier wohnen würde.

Carrie stand auf um sich ihr Kleid anzuschauen, der Kaugummi klebt voll in dem Spitzenbesatz ihres Minikleides. Die Clique lachte und tuschelte, als Carrie versucht den Kaugummi aus dem Kleid zu puhle. Sie ließ sich nichts anmerken und machte äußerlich weiterhin den lethargischen Eindruck, den sie immer machte. Innerlich kochte sie jedoch vor Wut und wünschte sich nichts mehr als ihnen die Pest an den Hals, mögen sie von einem Dämonen gefressen werden oder schlimmeres. Die Klasse war schon fast komplett anwesend und wenige der Anderen setzten sich bereits. Nachdem sie den Kaugummi so gut wie möglich entfernt hatte, setzte sie sich wieder und nahm ihren Block zur Hand, den der Unterricht würde bald beginnen.

Frau Darcy betrat die Klasse, sie war Mitte der Fünfziger, etwas pummelig und bereits ergraut. Wie üblich ging sie zum Lehrer Pult und stellte ihre braune Ledertasche links von sich neben das Pult. Die Klasse interessierte es zum Großteil wenig, ob Frau Darcy anwesend war oder nicht, die Gespräche gingen munter weiter. Carrie war keine Aufmerksame Schülerin und rettete sich mehr schlecht als recht durch die Klasse, die meiste Zeit war sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Entweder war sie in Gedanken versunken oder schrieb ihre Gedanken auf ihrem Block nieder. Genau so war es bei Frau Darcy auch immer, heute jedoch war etwas komisch.

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